Die Baugrundverhältnisse in Reutlingen könnten unterschiedlicher kaum sein: Während im Echaztal und in der Innenstadt quartäre Kiese und Auenlehme dominieren, die oft eine hohe Wasserwegsamkeit aufweisen, trifft man an den Hängen der Achalm oder Richtung Gönningen auf die geklüfteten Kalksteine des Weißen Jura. Diese geologische Zweiteilung macht den Felddurchlässigkeitsversuch hier unverzichtbar – Laborwerte allein können die Kluft- und Schichtdurchlässigkeit im geklüfteten Fels schlicht nicht abbilden. Ein Bauherr, der im Talkessel eine Tiefgarage mit Wasserhaltung plant, benötigt ebenso belastbare kf-Werte wie der Ingenieur, der am Albtrauf eine Versickerungsanlage dimensioniert. Wir setzen dabei auf das Lefranc-Verfahren in Lockergesteinen und auf den Lugeon-Test im Fels, ergänzt durch eine Korngrößenanalyse wenn die Sieblinie zur Plausibilisierung der Durchlässigkeit beiträgt. Beide Methoden liefern Durchlässigkeitsbeiwerte in situ, also unter den tatsächlichen Spannungs- und Lagerungsbedingungen, und vermeiden die bekannten Scale-Effekte von Laborproben. In Reutlingen haben wir mit diesen Versuchen schon manche Überraschung zutage gefördert – von verkarsteten Hohlräumen am Georgenberg bis zu hydraulisch kommunizierenden Schotterrinnen unter der Lederstraße.
Ein einzelner Lugeon-Wert unter 1 sagt mehr über die Dichtigkeit des Gebirges als zehn Laborproben aus einer Kernkiste.
Lokaler geotechnischer Kontext
Die Kernausrüstung für einen Lugeon-Test in Reutlingen besteht aus einem hydraulisch oder pneumatisch betätigten Doppelpacker, der über ein Gestänge in das Bohrloch eingefahren wird, sowie einer Pumpe mit präzisem Druck- und Volumenstrom-Messsystem. Ohne diese Vorrichtung wäre eine abschnittsweise Prüfung der Gebirgsdurchlässigkeit im Karst des Oberjura gar nicht möglich – und genau hier liegt das größte Risiko: Ein unentdeckter, offener Kluftkörper kann bei einer Baugrubenaushub-Maßnahme plötzlich enorme Wassermengen freisetzen, die selbst leistungsstarke Pumpensümpfe überfordern. Im Echaztal wiederum ist die Gefahr eine andere: Feinsandige Schichten mit scheinbar geringer Durchlässigkeit, die aber unter hydraulischem Gradienten zu innerer Erosion neigen und so die Standsicherheit von Spundwänden gefährden. Ein nicht durchgeführter oder unsachgemäß abgeteufter Felddurchlässigkeitsversuch führt in solchen Fällen zu Wasserhaltungskosten, die das Budget eines Projekts sprengen, oder schlimmstenfalls zu einem hydraulischen Grundbruch in der offenen Baugrube. Unser Messprotokoll mit Echtzeit-Druckkurve und die fachtechnische Auswertung durch einen nach DIN 4020 qualifizierten Geotechniker liefern die belastbare Datengrundlage, die das Wasserwirtschaftsamt und der Tragwerksplaner für die Nachweise nach EC 7 benötigen.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist in Reutlingen ein Lefranc- oder Lugeon-Versuch vorgeschrieben?
Immer dann, wenn das Bauvorhaben in den Untergrund eingreift und eine Wasserhaltung oder Versickerung geplant ist. Im Echaztal mit seinen hochdurchlässigen Kiesen fordert das Landratsamt Reutlingen bei Tiefgaragen oder Unterkellerungen belastbare kf-Werte aus Feldversuchen. Am Albhang, wo der Karst im Weißen Jura ansteht, ist der Lugeon-Test für Tunnel- und Gründungsprojekte nach EC 7 Stand der Technik, weil Laborproben die Kluftdurchlässigkeit nicht erfassen können.
Wie lange dauert ein Felddurchlässigkeitsversuch vor Ort?
Ein einzelner Testabschnitt mit dem Lefranc-Verfahren dauert je nach Bodendurchlässigkeit zwischen 30 und 90 Minuten. Beim Lugeon-Test mit fünf Druckstufen müssen Sie pro Tiefenstufe rund 60 bis 90 Minuten einplanen, da jede Stufe eine konstante Sättigungs- und Messphase erfordert. Ein komplettes Programm über drei bis vier Tiefenstufen nimmt in der Regel einen Messtag in Anspruch.
Mit welchen Kosten muss ich für einen Durchlässigkeitsversuch rechnen?
Die Kosten für einen Felddurchlässigkeitsversuch in Reutlingen liegen pro Testabschnitt zwischen €570 und €960, abhängig von der Tiefe, dem Verfahren und dem logistischen Aufwand auf der Baustelle. Das beinhaltet die Versuchsdurchführung, die Packertechnik, das Messequipment und die gutachterliche Auswertung mit Angabe des kf-Werts.
Kann man Durchlässigkeitsbeiwerte nicht einfacher aus der Korngrößenverteilung ableiten?
Die Ableitung aus der Sieblinie nach Hazen oder Beyer liefert nur eine grobe Schätzung und gilt ausschließlich für rollige, bindige Anteile freie Sande – sobald Feinkorn, Schichtung oder Klüftung im Spiel sind, weichen die Werte um Größenordnungen ab. In Reutlingen mit seinen heterogenen Schotter-Mergel-Kalk-Abfolgen ist der Feldversuch daher die einzig verlässliche Methode, um den kf-Wert unter den tatsächlichen Einbaubedingungen zu ermitteln.